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ECR Energy City Graz - Reininghaus: Urbane Strategien für die Neukonzeption, den Bau, Betrieb und die Umstrukturierung des energieautarken Stadtteils
Ziel ist die Erarbeitung von allgemein gültigen Kennwerten und eines Leitfadens als Grundlage für energieautarke Stadtteilentwicklungen. Aufbauend auf den Ergebnissen soll ein Gesamtenergiekonzept (Energienetzwerk) für den energieautarken Stadtteil Graz-Reininghaus erstellt werden. Durch den Bau von Demonstrationsprojekten sollen international zukunftsweisende "nachhaltige Stadtbausteine", als sichtbare Leuchttürme der Innovation umgesetzt werden.
Beschreibung
Dieses Projekt ist ein "Haus der Zukunft Plus"-Leitprojekt
Status
laufend
Kurzfassung
Ausgangssituation/Motivation
Der Schulterschluss zwischen Stadt Graz – Stadtbaudirektion, TU-Graz – Institut für Städtebau und der Asset One als Grundstückseigentümer von über 550.000 m² in Graz-Reininghaus bildete 2009 die ursprüngliche Basis für das Projekt ECR Graz- Reininghaus und die Einreichung des Projektantrages bei HdZ Plus.
Die Motive für das Projekt waren für die Beteiligten:
- Stadt Graz: Chance der bedarfsorientierten Neuerrichtung eines ganzen Stadtteiles, als Musterprojekt einer nachhaltigen Stadtentwicklung, Umsetzung erster Demonstrationsbauvorhaben als Initialzündung für die weiteren nachhaltigen Investitionen am Standort
- TU Graz: Wissenschaftliche Begleitung von nachhaltigen Demonstrationsbauvorhaben, Aufbau einer Expertenplattform für energieoptimierte und nachhaltige Stadtentwicklung in Graz, Generierung von disziplinübergreifenden Forschungsaufträgen
- Asset One AG: Entwicklung von Demobauvorhaben, Aufwertung und bestmögliche Verwertung der Liegenschaften
Zukunftsfähiger Aspekt von ECR:
Im Zuge des anstehenden Flächenwidmungsplanänderungsverfahrens ist für das gesamte ehemalige Brauereiareal eine städtebauliche UVP vom neuen Eigentümer abzuwickeln. In diesem Zusammenhang werden die Inhalte des Rahmenplans Energie (RPE_ECR) entscheidende strategische Vorgaben der Stadt Graz in Hinblick auf eine nachhaltige und energieoptimierte Stadtentwicklung darstellen.
Aufgrund der wirtschaftlichen Probleme des ursprünglichen Grundstückseigentümers Asset One kam es zu einer noch engeren Zusammenarbeit zwischen der TU Graz, der Stadt Graz und dem Land Steiermark. Im November 2010 kauft die Stadt Graz das Areal der Hummelkaserne im zukünftigen Stadtteil Graz-Reininghaus (Reininghaus
Stadtquartier 8). Die ECO WORLD STYRIA hat in ihren Clusteraktivitäten die „Energy City Graz-Reininghaus (ECR)“ als eine von 4 Hauptschwerpunkten aufgenommen und ist aktiv in das „Energy City Graz-Reininghaus (ECR)“ Konsortium als Partnerin eingetreten.
Das Leitprojektmanagement und die Stadtbaudirektion haben mit den bewilligten Fördermitteln der Stadt Graz mit dem Aufbau des Arbeitskreises „Rahmenplan Energie Graz-Reininghaus“ begonnen. Die „Energy City Graz-Reininghaus (ECR)“ Plattform konnte sich mit dem Grazer Umweltamt, der Energie Graz, der Energie Steiermark, der Grazer Bau- und Grünlandsicherungs GmbH, der Grazer Energieagentur, der AEE INTEC, der Joanneum Research, der FH Joanneum, der Karl-Franzens-Universität und der ECO WORLD STYRIA, dem Steirischen Holzcluster, der IG Passiv Haus Stmk/Bgld, der Grazer Energieagentur und interessierten Firmen und Bauträgern im Rahmen von Workshops und Arbeitsgesprächen aktiv vernetzen. Die „Energy City Graz-Reininghaus (ECR)“ Projektinitiative hat sich in der Innovationsregion Graz-Gleisdorf-Weiz intensiv vernetzt. Ziel ist es, weitere Pilotprojekte auf nationaler und internationaler Ebene zu initiieren.
Das ECR Projekt wurde neu strukturiert und am 29.04.2011 sind die Subprojekte „Rahmenplan Energie“ sowie das Subprojekt „Plusenergieverbund Reinighaus-Süd“ nochmals eingereicht worden.
Entwicklungsprozesses für den energieoptimierten nachhaltigen Stadtteil Graz-Reininghaus
- Erstellung eines Leitfadens, von Handlungsempfehlungen und einer Checkliste für zukünftige energieoptimierte Stadtteilentwicklungen in Graz und der Steiermark
- Entwicklung energetischer Zielwerte zur Verankerung in privatrechtlichen Verträgen zwischen der Stadt Graz und künftigen Investoren. Bei der Vertragserrichtung könnten Anreizsysteme wie beispielsweise Bonuskubaturen/erhöhte Bebauungsdichten zur Anwendung kommen.
- Konzepte zur Integration der Zielwerte in geeigneter Weise in lokale Pläne/ Verordnungen (Stadtentwicklungskonzept STEK Graz, Stadtteilentwicklungskonzept Graz-Reininghaus und Bebauungspläne der 20 Stadtquartiere).
- Der RPE_ECR soll den Stadtteil Graz-Reininghaus innovativ am europäischen Immobilienmarkt positionieren. Diese USP (Unique Selling Proposition) soll als Anreiz für die Gewinnung von innovativen Investoren dienen.
- Bei den beteiligten Firmen, Konsulenten, Mitarbeitern der Stadt Graz und Forschern der TU Graz werden Wissens- und Humanressourcen generiert.
- Gründung eines interdisziplinären Expertennetzwerkes als Plattform für die energieautarke Stadtteilentwicklung Graz-Reininghaus. Es soll vernetztes Denken initiiert werden, um in weiterer Folge auch auf andere Stadtteilentwicklungen übertragbare energieautarke Lösungen ausarbeiten zu können.
- Wissenstransfer und Bildung: Die Forschungsergebnisse werden unmittelbar in der Planung und Realisierung der Demonstrationsprojekte berücksichtigt. Die Integration in die Lehrinhalte erfolgt durch die Konsortialpartner an der TU Graz (Institut für Städtebau, Institut für Wärmetechnik, Institut für Elektrische Anlagen, Institut für Materialprüfung und Baustofftechnologie).
- Die Projektergebnisse vom RPE_ECR sollen maßgeblich zur Gründung eines Fonds für nachhaltige Stadtentwicklung in Graz beitragen. Zukunftsziel der Stadt Graz ist die Einrichtung eines mit EU-Mitteln kofinanzierten revolvierenden Nachhaltigkeitsfonds.
- Das im Projekt aufgebaute Wissensnetzwerk mit internationalen Experten soll nach dem Projekt über neu einzureichende EU-Programme erweitert werden, wodurch weitere Folgeprojekte für Graz initiiert werden sollen.
Inhalte und Zielsetzungen des Subprojektes „Demobauvorhaben
Plusenergieverbund Reininghaus-Süd“
Aufgrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Asset One AG kam es zu einer massiven Umgruppierung im Rahmen der Demonstrationsbauvorhaben. Das LPM ECR konnte mit Unterstützung der AEE INTEC, dem Architekturbüro Nussmüller, dem Technischen Büro HAMMER, der Energie Steiermark und dem Bauträger Aktiv Klimahaus
GmbH das Bauvorhaben „Plusenergieverbund Reininghaus-Süd“ als Demobauvorhaben einreichen.
Mit der Realisierung des „Plusenergieverbundes Reininghaus-Süd“ soll ein Demonstrationsbauvorhaben geschaffen werden, das eine wirtschaftlich umsetzbare, technisch und organisatorisch innovative Lösung für Plusenergieverbundkonzepte der Zukunft schafft. Der Plusenergieansatz findet dabei nicht auf Ebene des einzelnen Gebäudes, sondern innerhalb eines multifunktionalen Gebäudeverbundes statt. In einem ersten Schritt wird das einzelne Gebäude optimiert und wandelt sich vom Energieverbraucher
zum Energieerzeuger, im zweiten Schritt bringen Synergien innerhalb des Gebäudeverbundes eine weitere Optimierung des Systems.
Konkrete Projektziele sind:
- Erfolgreiche Umsetzung eines Demonstrationsprojektes im Rahmen eines HdZ Leitprojektes
- Optimierung des Plusenergieverbundes innerhalb der zwölf Wohngebäude („Punkthäuser“) des Bauabschnittes BA 02
- Optimierung des Plusenergieverbundes und Nutzung der Synergien zwischen den Wohngebäuden („Punkthäuser“) des Bauabschnittes BA 02 und dem vorgelagerten Büro- und Geschäftsgebäude des Bauabschnittes BA 01
- Nachhaltige Reduktion des Haushaltsstromverbrauches durch
- den Einsatz neuer Technologien (Smart Meters in ausgewählten Wohnungen)
- neue organisatorische Lösungen (Aufzeigen der Verbräuche in Echtzeit für ausgewählte Wohnungen, monatliche Verbrauchsaufstellung) und
- bewusstseinsbildende Aktivitäten für BewohnerInnen (Broschüren über richtiges Wohnen im Aktivhaus)
- Kooperation mit dem E-Mobility Konzept der Stadt Graz
- Monitoring und Evaluierung der tatsächlich erreichten Ziele und Optimierung derAnlagentechnik
- Aufbereiten der Ergebnisse für Folgeprojekte und Sichtbarmachen der Erfolge national und international. Gelingt die erfolgreiche Umsetzung, wird eine Demonstrationsprojekt mit Vorbildcharakter geschaffen, das in der praktischen Umsetzung aufzeigt, dass Plusenergiekonzepte im sozialen Wohnbau möglich sind und nicht nur einen Beitrag zu einem zukünftig CO2-neutralen Gebäudeportfolio, sondern auch zu einer nachhaltig energieeffizienten Nutzung des Gebäudebestandes und einer Erhöhung des NutzerInnenkomforts beitragen.
Geplante methodische Vorgehensweise im Subprojekt „Rahmenplan Energie“
In dem am 29.04.2010 eingereichten Subprojekt „Rahmenplan Energie (RPE_ECR)“ wurde folgende methodische Vorgangsweise konzipiert:
Zur Erreichung der Projektziele wurden vier Arbeitspakete (Potenzialermittlung;
Konzepterstellung; Zielwertdefinition und Prozessoptimierung; Organisation, Kommunikation und Vernetzung) festgelegt. Hervorzuheben ist, dass keines dieser Arbeitspakete in sich abgeschlossen ist, sondern dass sie sich gegenseitig mit ihren Outputs sehr stark beeinflussen. Insbesondere wird es eine sehr starke Wechselwirkung zwischen den Bebauungskonzepten und den erschließbaren Potenzialen geben müssen, um insgesamt zu den besten Lösungen zur Zielerreichung zu finden.
Das erste Arbeitspaket AP 2.1, die Potenzialermittlung, steht am Beginn des Projektes. Das Arbeitspaket AP 2.2, die Konzepterstellung des Gesamtenergiekonzeptes, basiert auf den Ergebnissen der Potenzialuntersuchung. Die Zielwertdefinition für Graz-Reininghaus
(Arbeitspaket AP 2.3) erfolgt basierend auf den genannten Arbeitspaketen und auf der im Arbeitspaket 2.4 zielgruppengerecht vollzogenen Prozessoptimierung.
Abbildung 1: Methodische Vorgangsweise
Während der Prozessoptimierung werden sich die Arbeitsschritte in einer Schleife mehrmals wiederholen, um verschiedene Bebauungsszenarien untersuchen zu können.
Methodisch von Relevanz ist auch die Auswahlgröße der Stichprobe. Die Untersuchung kann nur auf einen Teil der Bebauung ausgerichtet werden. Einerseits werden bei den Projektbearbeitungen nicht alle Bebauungspläne und Vorhaben bekannt und verfügbar sein, andererseits können sich einzelne Bebauungsvorhaben in den nächsten Jahrzehnten noch wesentlich ändern, wodurch eine gesamtheitliche detaillierte Berechnung nicht möglich ist.
Aus diesem Grund wird die Wahl des Bearbeitungsausschnittes möglichst repräsentativ für das gesamte Areal sein, um eine den Zielen entsprechende Bebauung sicherzustellen.
Ergebnisse und Schlussfolgerungen
Die Erfahrung aus dem abgelaufenen Jahr zeigt, dass ein Projekt von der Größe Graz- Reininghaus einem ständigen Wandel ausgesetzt ist, sei es durch Eigentümerwechsel bei den Liegenschaften oder durch Änderung im politischen Umfeld. Auch der technische Fortschritt wird in Graz-Reininghaus ein hohes Maß an Flexibilität und Anpassungsfähigkeit von allen Beteiligten verlangen, wenn man den Zeitraum bis zur vollständigen Umsetzung in Betracht zieht.
Die Prinzipien des Rahmenplans lt. Schlussbericht von Kleboth.Lindinger.Partners (Februar 2010) sind auch auf das Projekt ECR übertragbar und auch für den Rahmenplan Energie maßgeblich:
„Um in der Zukunft städtebauliche Gelegenheiten schnell und unbürokratisch nutzen zu können, muss der Rahmenplan flexibel und offen sein, aber gleichzeitig auch so robust, dass das Funktionieren und der Zusammenhalt des gesamten Stadtteils unabhängig von einzelnen Quartieren gewährleistet werden kann. Getreu dem Motto: Definiere so wenig wie möglich, aber soviel wie nötig. Besondere Aufmerksamkeit in der jetzigen Planungsphase liegt also in der Erarbeitung übergeordneter Ziele und Festlegungen. Im Speziellen
sollen jene Eigenschaften definiert werden, die das Verhältnis zwischen den Stadtquartieren bestimmen und unmittelbaren Einfluss auf Nachbarn oder die gesamtstädtische Entwicklung haben. Darüber hinaus sind durch die getroffenen Festlegungen übergeordnete Qualitäten (Mindestqualitäten städtebaulicher und freiraumplanerischer Natur) zu sichern.“
Ausblick
Die zahlreichen Vorprojekte aus den letzten Jahren, die für das Areal Graz-Reininghaus im Auftrag der Asset One und der Stadt Graz erstellt wurden, bilden eine umfassende Datenbasis für die derzeit laufende Potenzialermittlung (Arbeitspaket AP 2.1) im Rahmen des Subprojektes Rahmenplan Energie. Die vergleichende Untersuchung von Best- Practice Beispielen anderer Stadtentwicklungsprojekte soll weitere Ansätze für ECR liefern, dazu wurden bereits 2010 die ersten Exkursionen und Interviews mit Projektleitern in Österreich und Europa abgewickelt.
Die Konzeption der Energieautarkie für den Stadtteil Graz-Reininghaus soll einerseits langfristig die Versorgungssicherheit für einen ganzen Stadtteil ermöglichen und andererseits zeigen, dass zukünftige urbane Lebensräume ihre eigene Energieversorgung sicherstellen können.
In Zukunft werden sich die Gebäude vom Energieverbraucher zum Energieerzeuger wandeln. Der Plusenergieansatz soll nicht auf der Gebäudeebene, sondern auf Quartiersebene stattfinden. Im RPE_ECR wird die Optimierung nicht innerhalb der Systemgrenze eines Gebäudes, sondern auf Ebene der einzelnen Stadtquartiere und auf Ebene des gesamten Stadtteils von Graz-Reininghaus erarbeitet. Zeitnah zum Rahmenplan Energie erfolgt eine erste Umsetzung des „Plusenergieverbundes Reininghaus-Süd“ (SP04). Eine intensive Vernetzung bzw. Rückkopplung zwischen den beiden Subprojekten wird entstehen. Vor allem das Monitoring aus dem „Plusenergie-
verbund Reininghaus-Süd“ (SP04) wird wertvolle Daten für die Weiterentwicklung und Optimierung der Konzepte zur Umsetzung in den anderen Quartieren liefern.
Abbildung 2: Luftaufnahme Graz-Reininghaus
(Quelle: Stadtbaudirektion und Graz Asset One)
Publikationen
Kontaktadresse
Arch. DI Ernst Rainer
TU Graz, Institut für Städtebau
Rechbauerstrasse 12
A- 8010 Graz
Tel.: +43 (316) 873 6789
E-Mail: ecr@tugraz.at