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OPEN LIVING - Verdichteter Flachbau in Fertigbauweise mit plusEnergie-Standard als offenes System mit variablen Einheiten
Projektziel ist die Entwicklung, Erprobung und Evaluierung eines Demonstrationsobjektes für verdichteten Flachbau in Fertigbauweise mit plusEnergie-Standard als offenes Wohnsystem mit wandelbarem Bauvolumen.
Beschreibung
Dieses Projekt ist ein "Haus der Zukunft Plus"-Leitprojekt
Status
Reserveliste
Kurzfassung
Ausgangslage
Potenzial des verdichteten Flachbaus als nachhaltige Bauweise
Dem verbreiteten Wunsch nach frei stehenden Einfamilienhäusern stehen hoher Grundstücksverbrauch, hohe Materialkosten und Entstehungskosten für die Gebäude und Aufschließungskosten für die Gemeinde gegenüber - auch wenn sie im "Passivhausstandard" errichtet werden können. Dagegen ermöglichen Formen des verdichteten Flachbaus eine optimalere Flächennutzung und ein leichteres Erreichen von Passivhausstandards. In der Entwicklung neuer nachhaltiger Lösungen besteht zudem auch die Herausforderung, Passivhausstandards für verdichteten Flachbau mit Fertigbauweisen zu verknüpfen. Dafür gibt es bislang keine bekannten Beispiele.
Bedarf an Wohn-Innovationen aufgrund neuer sozialer Entwicklungen
Dem österreichischen Idealbild von Haushaltsformen und darauf bezogenen Wohnbau (freistehendes Einfamilienhaus in Eigentum) für die "klassische" Kleinfamilie, dem auch die Wohnbauförderung nach wie vor weitgehend folgt, steht eine gesellschaftliche Realität gegenüber, die zunehmend mit veränderten Lebensentwürfen und Lebensstilen von Frauen und Männern sowie der Alterung der Gesellschaft durch die demografische Entwicklung verbunden ist. Dies zieht den Bedarf nach Gestaltung neuer Haushaltsformen sowie veränderten Wohnraumangeboten nach sich.
Im Einzelnen lässt sich diese Entwicklung folgendermaßen skizzieren: Laut Statistik Austria 2008 gibt es immer mehr geschiedene Familien, die Gesamtscheidungsrate hat in den letzten 10 Jahren um beinahe 10 Prozentpunkte zugenommen und liegt bei 49,5 %. Zugleich verkürzt sich die Ehedauer, speziell für die Dauer bis zu 10 Jahren. Gerade dieser Umstand führt bei der derzeitigen "Eigentumsförderung" zu höchst schwierigen Trennungssituationen. Demgegenüber scheint für viele Paare die Form der Lebensgemeinschaft immer attraktiver zu werden, so haben sich nach Daten der Volkszählung in den letzten 30 Jahren die Lebensgemeinschaften (mit und ohne Kinder) mehr als vervierfacht (von 52.274 auf 223.365). Ebenso gibt es immer mehr Alleinerziehende, so wurden im Jahre 2001 mit 143.441 um ein Viertel mehr Alleinerziehende mit Kindern unter 15 Jahren gezählt als dies noch 1971 der Fall war. Eine Ausformung dieser Entwicklung ist die Zunahme von "Patchwork-Familien", in denen beide Partner ihre - sich oft in unterschiedlichen Altersstufen befindlichen - Kinder in die Beziehung einbringen.
Daneben ist diese Entwicklung aber auch davon geprägt, dass es immer mehr Singles gibt, entweder Jugendliche, die von zuhause ausziehen und dann oft länger alleine leben oder bedingt durch die Alterung der Gesellschaft , bei der dann aufgrund der höheren Lebenserwartung mehrfach Frauen alleine leben und z.B. Wohnraum anstatt der traditionellen Funktion des "Auszugshauses" nutzen möchten. Eine weitere Tendenz ist durch die Zunahme der Erwerbstätigkeit von Frauen gegeben, welche die traditionelle familienorientierte Wohnraumaufteilung tendenziell in Frage stellt und nach einer anderen Raumaufteilung verlangt, die es beiden Partnern ermöglicht, ihren Interessen gleichberechtigt nachzugehen. Des Weiteren gibt es auch immer mehr Menschen, die aufgrund ihres Berufsprofils (zum Beispiel selbständig, flexibel, in Kreativberufen tätig) Arbeiten und Wohnen verbinden möchten und nur einen Teil ihrer Arbeitszeit auswärts in einem Büro verbringen. Aus diesen genannten lebensphasen-, wie berufsspezifischen, geschlechts- wie altersspezifischen Anforderungen resultieren unterschiedliche Ansprüche an Wohnraum in Bezug auf Größe, Gliederung , Funktionen und deren Wandelbarkeit. Es gilt, diesen veränderten gesellschaftlichen Realitäten im Hinblick auf wohnräumliche Angebote mehr zu berücksichtigen entsprechen, als dies derzeit im Wohnbau der Fall ist und diesbezüglich in die Zukunft zu denken.
Neue Anforderungen und Bedürfnisse in Gemeinden ländlicher Regionen
Gemeinden mit einer Bevölkerungszahl zwischen 2.000 und 5.000 BewohnerInnen in ländlichen Regionen bilden unseres Erachtens jene "Zone", wo sowohl Interesse am nachhaltigen und verdichteten Bauen von Wohnraum als auch neue Bedürfnisse an Wohnraum bestehen.
Einerseits haben Gemeinden einen Bedarf für nachhaltige verdichtete Wohnbauformen als Alternative zu Einfamilienhäusern (mit hohem Flächen- und Ressourcenverbrauch sowie Infrastrukturkosten) sowie zum eher städtischen Geschosswohnbau (der in ländlichen Regionen nur wenig Akzeptanz findet). Andererseits werden oben genannte differenzierte Wohnraumbedürfnisse - jenseits der Kleinfamilie - bislang eher im städtischen Raum, aber kaum in ländlichen Regionen abgedeckt. Gemeinden haben daher einen Bedarf nach Innovationen für nachhaltiges Wohnen in verdichteter Form mit hoher sozialer Funktionalität und Attraktivität im Hinblick auf neue Wohn- und Nutzungsbedürfnisse. Es geht somit um bauliche Innovationen, die für die gegebenen Strukturen und Rahmenbedingungen dieser Gemeinden sowohl ökonomisch, ökologisch als auch im Hinblick auf ihre soziale Attraktivität und Lebensqualität einen Beitrag leisten können, um mögliche Absiedlung zu verhindern.
Aus dieser Ausgangssituation resultiert eine mehrdimensionale und transdisziplinäre Anforderung: Es geht um Innovation im Wohnbau zwischen dem Typus des Einfamilienhauses und dem Geschosswohnbau. Gleichzeitig sollen Alternativen zu herkömmlichen Wohnraumangeboten für die "klassische" Kleinfamilie geschaffen werden.
Projektziele und Projektergebnis
Aus der genannten Ausgangslage und Herausforderung leiten wir folgende Zielsetzungen für geplante Projekte ab:
- die Erfüllung Bauweise einer hohen sozialen Funktionalität der Bauweise im Hinblick auf neue Wohnraum- und Haushaltsbedürfnisse (Singles, Wohngemeinschaften, Alleinerziehende, Arbeiten und Wohnen, Geschlechterperspektive) und möglicher Synergien, verbunden mit wandelbaren und offenen Baustrukturen
- Entwicklung und Umsetzung von Formen des verdichteten Flachbaus mit plusEnergie-Standard in möglichst vorgefertigter Bauweise.
Die Entwicklung und Umsetzung des Demonstrationsobjektes soll in einer Gemeinde mit einer Bevölkerungsanzahl zwischen 2.000 und 5.000 BewohnerInnen in einer ländlich strukturierten Region, mit guter Anbindung an einen Zentralraum erfolgen. Sie soll in ihrer Situierung, Struktur und Gestaltung Notwendigkeiten und Bedarfslagen der Gemeinde für nachhaltige Wohnraum- und Siedlungsentwicklung sowie individuelle Bedürfnisse von BewohnerInnen nach geeignetem Wohn- und Lebensraum erfüllen. Für das konkrete Demonstrationsobjekt wird ein Grundstück in der Gemeinde Büromoos im Salzburger Flachgau ausgewählt. Diesbezüglich stünden als Alternativen auch Grundstücke und vergleichbare geplante Bauvorhaben in ähnlichen Gemeinden zur Verfügung.
Projektergebnis ist ein entwickeltes und umgesetztes Demonstrationsobjekts für verdichtete Flachbauweise mit plusEnergiestandard von hoher sozialer Funktionalität in Bezug auf neue wohnräumliche Bedürfnisse in einer mittleren Gemeinde in einer ländlich strukturierten Region.
Publikationen
Kontaktadresse
Arch. DI Franz Seidl
architekten mayer+seidl
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